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Wado Ryu Karate

In diesem Artikel möchte ich die Fragen aufgreifen: "Was ist Wado Ryu Karate?" und worin besteht der Unterschied zu anderen Karate-Stilrichtungen.

Mein grundsätzlicher Ansatz bei der Darstellung der Unterschiede der Stilrichtungen in den folgenden Ausführungen ist allerdings ein anderer. Ich persönlich gehe davon aus, dass die wenigsten Sportler, die mit Karate beginnen, sich auch aktiv für eine Stilrichtung entscheiden. Vielmehr ist es aus meiner Sicht doch eher so, dass man durch bestimmte Umstände zum Karate kommt und zunächst die vom Trainer vorgegebenen Übungen durchführt. Erst sehr viel später ist man (und sollte man auch) in der Lage, selbst zu entscheiden, ob dies die richtigen Übungen (und somit auch die richtige Stilrichtung) für den eigenen Körper (Größe, Masse) sind. Ein großer Meister unserer Stilrichtung hat einmal den Satz geäußert: "Man entscheidet nicht alles im Leben sofort. Man muss nur nach einer gewissen Zeit des Handelns überprüfen, dass es der richtige Weg ist." In diesem Sinne sehe ich auch unsere Entwicklung als Karateka und nicht nur hier. Diese Erkenntnis sollte in allen Bereichen des Lebens Anwendung finden.

Nun zur Stilrichtung "Wado Ryu"- "Der Weg des Friedens":

Der Stil Wado Ryu wurde von Hironori Otsuka begründet. Hironori Otsuka war Schüler von Gichin Funakoshi. Gichin Funakoshi traf noch vor dem zweiten Weltkrieg (ca. 1922) bei der Vorstellung seiner Kampfkunst, des Okinawa Karate, auf Hironori Otsuka. Hironori Otsuka wurde Schüler von Funakoshi. Hironori Otsuka war zu diesem Zeitpunkt schon Meister in einer ursprünglichen japanischen Kampfkunst, dem Yoshinryu Jiu-Jitsu Kempo. Durch die Verbindung dieser unterschiedlichen Arten entstand die Stilrichtung Wado Ryu. Allgemein kann man davon ausgehen, dass das Wado Ryu Karate die Entwicklung aus dem von Funakoshi gelehrten Okinawa Karate und den Otsuka bekannten Einflüssen des Jiu Jitsu und Kendo ist. Für beide Meister stand die Entwicklung des Karate im Vordergrund. Beide entwickelten Partnerübungen, die das Wachstum des Karate vorantreiben sollten. Hier wurden die Kenntnisse von Otsuka im Bereich der Partnerübungen genutzt, da das Okinawa Karate bis dahin nur die Formen Kihon und Kata kannte. So ist auch der gegenwärtige Unterschied der Stilrichtung Wado Ryu zu anderen Stilrichtungen zu sehen. Im Folgenden möchte ich die Unterschiede zur Stilrichtung Shotokan erläutern, da sich hierbei, aufgrund der großen Verbreitung des Shotokan-Stiles in Deutschland, die meisten Karateka etwas vorstellen können. Während man im Shotokan die Kata als das "historische Erbe" bezeichnen kann, sind dies im Wado Ryu eher die vielen Formen der Partnerübungen. Stellvertretend seien hier nur die Partnerübungen des Kihon Kumite (Partnerübungen mit Ausweichbewegungen), des Idori (Bodenkampf) und des Tanto Tori (Messerkampf) genannt. Im ursprünglichen Wado Ryu Karate wurden auch nur neun Kata als ausreichend dargestellt. Dies waren die Kata Pinan 1-5, Naihanshi, Kushanku, Seishan und Chinto. Zwischenzeitlich werden deutlich mehr Kata gelehrt. Dies hat sicher seine Gründe in der Wettbewerbsfähigkeit bei den Wettkämpfen. Der prinzipielle Unterschied zum Beispiel zur Stilrichtung Shotokan besteht in der völlig anderen Philosophie der Verteidigungsform. Die Verteidigungsformen im Shotokan entsprechen mehr den geradlinigen, direkten Bewegungen zur Verteidigung. Ein Angriff wird gebrochen, bevor der Gegenangriff erfolgt. Dies ist im Wado Ryu Karate völlig anders. Hier liegt der Grundsatz eher auf ausweichenden, direkten Kontern in den Angriff des Gegners hinein. Man legt großen Wert auf die Vermittlung der Kunst des Ausweichens und Mitführens des gegnerischen Angriffs. Hier lehnen sich die Verteidigungsformen eher an die Prinzipien des Aikido an. Um diesen Umstand näher zu erläutern, müssen noch einmal die Ziele des Wado Ryu klar herausgestellt werden:

  • die Bewegungen sollen möglichst effektiv sein
  • es sollten keine strategisch sinnlosen Bewegungen durchgeführt werden
  • alle Bewegungen sollten möglichst gleichzeitig erfolgen
  • man legt Wert, auf das Ausweichen aus der Angriffsrichtung des Gegners und den Konter unter Ausnutzung dessen Vorwärtsbewegung
  • die Bewegungen sollten ohne großen, eigenen Kraftaufwand durchgeführt werden
Um diese Ziele zu erreichen, muss man Kompromisse in der Schönheit und Eleganz der ausgeführten Techniken eingehen. Der Stand in dieser Stilrichtung ist allgemein deutlich höher als zum Beispiel im Shotokan-Karate. Der Grund hierfür liegt zum einen in der körperlichen Konstitution seines Erfinders Hironori Otsuka, zum anderen sicher auch in den vorher genannten Zielen der Stilrichtung.

Martin Tauscher