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Shingi Ichinyo - Wado Lehrgang vom 27.02. bis 01.03.2010

Die Erfolgsgeschichte des traditionellen WadoLehrgangs im Februar 2010 fand auch in diesem Jahr ihre Fortsetzung. Die knapp 200 Teilnehmer aus ganz Europa ließen es sich nicht nehmen nach Berlin zu reisen.

Bob Nash (7. Dan JKF Wadokai) und Toby Threadgill (Menkyo Kaiden Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu) gelang wieder uns mit vielen Denkanstößen, zur Verbesserung unserer Technik und für unser weiteres Training, zu versorgen. Es war ein gutes, sehr gutes Wochenende und ich verweise gern auf die Berichte zu den letztjährigen Veranstaltungen. Diesen ist nichts hinzuzufügen.

Besonders interessant war für mich der Ausflug in die Vergangenheit, auf den Toby Threadgill uns mitnahm. Sensei Threadgill verknüpft die Geschichte seiner Kampfkunst mit der des Wado Ryu Karate. Die Zeitreise, auf die er uns mitnahm, begann in der Gegenwart und führte weit in die Vergangenheit.

Vielen der Anwesenden war bekannt, dass Hidenori Otsuka, der Gründer unserer Stilrichtung, sich in seiner Jugend mit den verschiedensten Aspekten japanische Kampfkünste beschäftigte. Er trainierte Jujitsu bei Ebashi Chojiro, Shindo Yoshin Ryu Jujitsu Kempo bei Nakayama Tatsuaburo und wurde später im Karate durch Funakoshi Gichin, Mabuni Kenwa und Motobu Choki unterrichtet.

Dass Otsuka Sensei den Titel eines Menkyo Kaiden im Shindo Yoshin Ryu erlangte und somit natürlich auch eine Unterrichtslizenz in dieser Stilrichtung besaß, bevor er sich dem, was heute langläufig Karate genannt wird widmete, war den meisten weniger bekannt.

Vier Jahre nachdem Otsuka Sensei die Dai Nippon Karate Shinko Karubu gründete, wurde am 1 April 1939 Wado Ryu als selbstständige Stilrichtung in der Dai Nippon Budoku Kai, gewachsen aus dem japanischen Shindo Ryu, eingetragen. Hier sollte sich der Kreis zwischen Wado Ryu und dem durch Toby Threadgill Vorgestellten schließen, denn auch seine Stilrichtung, so erzählte Sensei Threadgill, basiert auf eben jener alten Kampfkunst des Shindo Ryu.

Gemeinsamkeiten offenbarten sich den Anwesenden während der Demonstrationen, besonders deutlich bei der Gegenüberstellung bestimmter Kihon Kumite Sequenzen, die Sensei Nash und Sensei Threadgill, jeweils mit Partner, parallel zueinander ausführten.

Die kurze Reise in die Vergangenheit fand ihren Abschluss und Höhepunkt mit dem Öffnen einiger von Sensei Threadgill mitgebrachter Pakete. Sie enthielten bis zu vierhundert Jahre alte Schriftrollen. Auf mehrere Meter ausgerollt lagen vor uns Trainings- und Prüfungsprogramme des Shindo Ryu, auch von den Vorfahren des Gründers, der uns an diesem Wochenende vorgestellten Stilrichtung. Vieles gab es über die Geschichte dieser Dokumente zu berichten und alle gestellten Fragen wurden beantwortet. Nebenbei erfuhren wir, dass Sensei Threadgill diese Schriften nicht nur für seine Stilrichtung zu bewahren gedachte, sondern seine Studien auch in einem Buch veröffentlichen wolle. Es wird eine sehr lesenswerte Lektüre sein, auf die ich mich schon sehr freue, auch wenn bis zur Fertigstellung noch einige Zeit vergeht.

Nach diesem Wochenende werden wir dem Gedanken, dass nur derjenige der die Vergangenheit kennt, auch die Gegenwart verstehen und die Zukunft meistern kann, nicht nur während des Trainings, sicher einmal mehr nachgehen.

 

Ich danke Bob Nash und Toby Threadgill für dieses Wochenende und der Dank gilt natürlich auch den Organisatoren dieses Lehrgangs, dem Berliner Karate Verband e.V. und Wadokai Deutschland Sohonbu.

 

Ingolf Schröder

 

Weitere Informationen: Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu, Wado Ryu im DKV